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talking heads

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Der Vorgang des Fotografierens ist ein bizarres Spiel, in dem die fotografierte Person eine posierende Haltung einnimmt, sobald sich ein Objektiv auf sie richtet. Aus einem vorauseilenden Impuls heraus verwandelte sich die Person in ein Symbol. Sie wird zu dem, für wen sie sich selbst hält, zu dem, für den sie gehalten werden möchte, und zugleich zu dem, für den sie von dem Fotografen gehalten wird. Während des Fotografierens ahmt sich ein Subjekt unentwegt selbst nach, was ein seltsames Gefühl von Hochstapelei hervorruft.

Andererseits wird nicht nur der Fotografierte, sondern auch der Fotograf zum Hochstapler, wenn er sich auf dieses bizarre Spiel einlässt und es zulässt, dass sein Modell in die ihm eigene posierende Haltung verfällt und er selber sich davon verführen lässt.

Wenn der Fotograf dies verhindern möchte, muss er sich auf die der Fotografie zugrunde liegende Mechanik des Fotografierens zurückbesinnen; vor allem auf die Geschwindigkeit, mit der eine fotografische Aufnahme entsteht. Eine weitere Strategie ist es, das fotografierende Objekt agieren zu lassen, so dass ihm kaum die Möglichkeit gegeben wird, in einer Pose zu erstarren.

Die einfachste und zugleich da die ursprünglichste Methode ist es, sich zu unterhalten. Die Abgeschiedenheit des Fotostudios schafft eine intime Situation, die für das genaue Beobachten des Fotografierten unverzichtbar ist. Ein Gespräch verstärkt sie zusätzlich und lässt eine Verbindung zwischen dem Modell und dem Fotografen entstehen. Wenn das gelingt, wird es möglich, einen kurzen Blick in die Persönlichkeit des porträtierten Menschen zu erhaschen. Und es kann passieren, dass plötzlich auch die Abbildungen, die Köpfe, in Beziehung zu einander treten, ganz so als ob sie auch angefangen hätten, miteinander zu sprechen.

1: vgl. Roland Barthes: Die helle Kammer. Bemerkungen zur Photographie;

Ausgestellt zum ersten Mal im Mai 2007